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Ein Wiedersehen nach der Stille

In den  letzten Monaten war es still hier auf meinem Blog. So still, dass man fast hätte meinen können, meine Beiträge hätten sich stillschweigend verabschiedet. Doch ganz so leise schleiche ich mich nicht davon. Während es hier ruhig war, ging es in meinem Atelier umso lebendiger zu. Ich habe mich ganz dem Malen gewidmet und dabei wieder einmal sehr bewusst gespürt: Kunst braucht Zeit! Und diese Zeit habe ich mir ganz bewusst genommen und meinen Fokus auf mein Tun im Atelier gelegt. Ich habe einfach gemalt, sehr viel gemalt und dabei mit unterschiedlichen Materialien gespielt und sie auf meine Weise erkundet. So sind in dieser Phase des Rückzugs ganz vielseitige Werke entstanden. Da war zum Beispiel der Sumpfkalk, der ganz neu in mein Atelier einzog. Ein Material, das sich mir von einer feinen, zarten und geradezu zerbrechlichen Seite gezeigt hat.   

 

aufgebrochener Sumpfkalk auf Leinwand
aufgebrochener Sumpfkalk

Hände übernehmen und lassen entstehen, ganz ohne Worte

Im totalen Kontrast dazu sind drei weitere, kleine Arbeiten auf Gipsbasis entstanden. Diese forderten eine völlig andere Präsenz von mir. Wenn ich in solchen Schaffensprozessen bin, versuche ich alles aufzunehmen, was in mir aufsteigt. Solche Auseinandersetzungen bleiben natürlich nicht ohne Folgen. So entwickelte sich, fast wie von selbst, eine kleine Werkreihe mit Rost. Meine Hände haben einfach übernommen und entstehen lassen, ganz ohne Wort. Wieder einmal waren es die Materialien, die mich in die Tiefe geführt haben. Das dürfte für die treuen Leser hier keine Neuigkeit sein: das Material ist oft mein Wegweiser.

 

Rost in seiner Robustheit auf Leinwand
Rost in seiner Robustheit

 

Doch solch ein Tiefgang verlangt irgendwann nach einem Ausgleich. Was läge da näher, als Arbeiten mit sehr viel Wasser entstehen zu lassen? Momente, in denen ich nichts weiter zu tun habe, als die Kontrolle abzugeben und alles einfach "laufen zu lassen". Vielleich finden diese neuen Werke bald ihren festen Platz hier auf dem Blog. Heute möchte ich jedoch keines von diesen fertigen Bildern vorstellen, sondern von dem sprechen, was sie in mir ausgelöst haben: von den Impulsen, die daraus erwachsen sind. 

 

Der Funke - ein flüchtiger Bote

Impulse kommen ungeplant. Sie schleichen sich in unsere Gedanken, fast so, als kämen sie aus dem Nichts. Oft erkennen wir diese feinen Anregungen gar nicht als solche, sondern nehmen eher ein Gefühl in uns wahr oder ein Wort, das zu uns spricht. Sie sind wie flüchtige Momente, die in uns spürbar werden. Erinnern Sie sich noch an meinen Beitrag über die Lichtfunken? Dort habe ich davon erzählt, wie sie ganz unverhofft und fast unbemerkt Einzug halten, und in welch unterschiedlichsten Gewändern sie uns begegnen können. Es sind genau diese Funken die sich uns auftun und wie kleine Boten wirken.

 

Der Mut, nicht wegzusehen

Und nun liegt es an uns, wie wir mit ihnen umgehen. Ich kenne es nur zu gut von mir selbst, wie ich versuche, solche scheinbar unpassenden Gedanken abzutun. "Jetzt gerade nicht, vielleicht später...". Wir schieben sie beiseite, weil die Arbeit wichtiger, der Augenblick unpassend oder die Situation ungelegen scheint. So lassen wir unseren gutgemeinten Beitrag verstummen, halten unsere persönlichen Gefühle zurück und verdrängen unsere Neugierde nach Neuem. Kurzum: wir ignorieren diese zarten Anfänge. Wie schade für uns und für alles, was um uns herum dadurch hätte entstehen können.

 

Impulse sind wie Samenkörner

Ich glaube, wir sollten sie nicht einfach so übergehen, sondern ihnen unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Wenn wir lernen, empfänglich für sie zu werden und sie bewusst in uns aufzunehmen, kann sich eine völlig neue Ebene für uns öffnen. Nicht nur in der Kunst, sondern im Menschsein an sich. Diese kleinen Boten lassen uns spüren, ob wir ihnen folgen sollten oder ob sie uns eher davor mahnen, etwas Bestimmtes zu tun. So können sie uns zu wahren Richtungsweiser werden. Impulse sind wie Samenkörner, sie benötigen einen Boden der sie aufnimmt, und jemanden, der sie richtig versorgt. 

 


Impulse sind wie Samenkörner, künstlerischer Impuls in einem Blumenladen
Impulse sind wie Samenkörner

Kompass des Echtseins - Echtheit im Material

Solche Wahrnehmungen sind der Kompass des Echtseins in uns. Mein Dozent sagte immer: "Das Material irrt nie". In meiner Arbeit mit Sumpfkalk oder Rost zeigt sich die Echtheit darin, dass das Material in seiner ganzen Zartheit oder Rauheit hervortritt. Ich gebe ihm nicht vor wie es zu erscheinen hat, sondern es zeigt sich einfach so, wie es ist. Das Gleiche gilt für uns Menschen. Echtsein erlaubt uns, auch die "unfertigen" oder "zerbrechlichen" Seiten in uns zuzulassen. Echtheit bedeutet hier, dass unser Tun, ob auf der Leinwand oder im Alltag, eine Stimmigkeit in unserem Inneren findet. Wir fragen in dem Moment nicht, was der andere dazu meint, sondern danach, ob wir es stimmig mit unserem Inneren empfinden. In diesem Moment müssen wir keinen äußeren Erwartungen gerecht werden und auch nichts beweisen, sondern einfach nur sein. Unser äußeres Handeln stimmt überein mit unserem inneren Fühlen, ohne Maske und ohne Filter. Wir gehen in Resonanz mit uns selbst: So klinge ich!

 

Von der gereiften Idee -  zur "Probierzeit"

In dieser Zeit wo ich mich zurückgezogen habe, sind viele Gedanken und Ideen in mir entstanden, von denen manche bereits gereift sind. Eine davon hat bereits auf meiner Homepage einen festen Platz gefunden: die "Probierzeit". Da ich für mich gespürt habe, wieviel Zeit ich mir mit meiner Kunst einräumen möchte, vergebe ich nur vereinzelt Plätze an Interessierte, direkt in meinem Atelier. Diese Zeit ist für Menschen gedacht, die den Mut haben, sich selbst und ihre eigenen Impulse einmal ganz frei auszuprobieren.  

 

Zeit für mich selbst mit Farbe und Pinsel, von der Idee zur "Probierzeit"
von der Idee zur "Probierzeit"

Ein Herzensprojekt im lebendigen Geschehen

 

 

 

 

 

Auch im Außen gibt es aktuell einen kleinen, feinen Lichtfunken von mir: Ich habe ein Bild ausgestellt und zwar ganz bewusst nur ein einziges Bild in einem Blumengeschäft. Vielleicht mag es auf den ersten Blick eigenartig erscheinen. Jedoch ist es mir eine echte Herzensangelegenheit, dieses Werk gerade dort, mitten im lebendigen Geschehen, ganz unscheinbar wirken zu lassen.

 

Bis in der Woche nach Ostern darf es dort noch verweilen, als ein stiller Impuls auf seinem ganz eigenen Weg. Ganz nach dem Motto: "Weil jede Veränderung mit einem winzigen Samen beginnt." Ob im Blumenladen oder in uns selbst, wir entscheiden ob wir diesen zarten Anfängen Raum geben, damit sie ihre Schwingung entfalten können. 

 

 

 

Das Wahrnehmen in mir selbst - und Teilen mit der Welt

 

Es beginnt alles damit, dass ich mich empfänglich zeige für die eigenen, inneren Bewegungen, ihnen zuhöre und sie nicht übergehe. So entsteht eine Verbindung zu dem, was in mir lebendig ist, die Verbindung zu mir selbst! Das ist ein Stück gelebte Selbstfürsorge. Alles was ich nun aufnehme und in mir weiterversorge, indem ich mich mit dem Gedanken weiterbeschäftige, ihm Zeit gebe, dass er sich entwickeln kann und weiterverfolge, erst durch diese Versorgung kann jeder Impuls wachsen und zu etwas Greifbarem werden. Und was auf diese Weise in mir wachsen darf, kann schließlich auch nach außen wirken und für andere erfahrbar werden. So entsteht aus meinem inneren Prozess etwas das berühren oder inspirieren kann. Und nicht immer müssen sie direkt spürbar oder sichtbar sein. So manches braucht seine Zeit und wirkt indirekt weiter. 

 

 

Wirkung muss nicht laut

oder sofort erkennbar sein. 

Gerade das Leise und Unscheinbare

kann eine nachhaltige Spur hinterlassen. 

Bleiben wir offen für diese feinen Impulse in uns,

geben wir ihnen Raum,

sodass auch die kleinsten inneren Bewegungen wirken können,

für uns selbst

und für die Menschen um uns herum. 

Herzliche Grüße aus meinem Atelier


"Wenn meine Worte oder Bilder etwas in Ihnen zum Klingen gebracht haben, lassen Sie es mich gerne wissen.

Auch wenn es hier keine öffentliche Kommentarfunktion gibt, freue ich mich sehr über einen persönlichen Austausch. mit Ihnen.

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Atelier Farbgespür Bernadette Vögele

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Für den Kunstpreis 2026 "stand.punkte"  wurde mein Werk nominiert...

 

und auch noch beim Kunstpreis 2026 "Spuren des Weiß" ist eines meiner Werke vertreten...